Kampagne Forschung für neue Antibiotika

Pressemitteilung KopfMit einer Unterschriftenaktion macht sich die Pharma-Kampagne für einen globalen Forschungsfonds für Antibiotika stark. Bislang unterstützen 2.329 Menschen in Deutchland die Forderung an die Bundesregierung, sich politisch und finanziell für einen solchen Fonds einzusetzen. Am Freitag, 18.11.16 - dem Welt-Antibiotika-Tag - sollten diese Unterschriften persönlich übergeben werden. Doch die zuständigen Minister Hermann Gröhe (Bundesministerium für Gesundheit) und Johanna Wanka (Bundesministerium für Bildung und Forschung) kneifen...

... Sie sehen, so wörtlich, „aufgrund der vielfältigen laufenden und geplanten Aktivitäten zur Forschung und Entwicklung und in anderen Bereichen mit Bezug zu Antibiotikaresistenzen […] keine Veranlassung, die […] gesammelten Unterschriften persönlich entgegenzunehmen.“ Aber die Bundesregierung unternimmt keineswegs genug.
Der Moment zur Einrichtung eines globalen Forschungsfonds war noch nie so günstig. Erst im September haben die Vereinten Nationen (UN) eine Erklärung zu antimikrobiellen Resistenzen abgegeben. Nur wenn die  Forschung öffentlich gefördert werde, sei es möglich, wichtige neue Medikamente zu entwickeln und kostengünstig bereitzustellen. Daher verpflichteten sich die UN-Mitgliedsstaaten, eine „angemessene, vorhersagbare und sichere Finanzierung“ zu entwickeln.
In die gleiche Richtung zielt der im Oktober veröffentlichte Bericht „High Level Panel on Access to Medicines“ der Vereinten Nationen. In diesem werden neue Forschungsanreize für dringend benötigte Arzneimittel gefordert. Hierzu gehört etwa das sogenannte De-Linkage – also die Abkoppelung der Forschungskosten vom Preis eines Medikamentes.
Solche neuen Forschungsanreize für die Antibiotika-Forschung sind das Gebot der Stunde, denn in den letzten 30 Jahren sind kaum neue antibiotische Wirkstoffe entwickelt worden. Die Pharmaindustrie findet die Erforschung dieser wichtigen Medikamente wenig lukrativ. Das ist ein Problem, denn immer mehr Krankheitserreger werden resistent gegen Antibiotika. Ehemals gut behandelbare Krankheiten werden wieder zur Todesfalle.
Um die Bildung von Resistenzen möglichst lange zu vermeiden, müssen neue antibiotische Wirkstoffe so wenig wie möglich eingesetzt werden. Auch das macht die Antibiotika-Forschung für Pharmahersteller wenig interessant. Pharma-Monopole, die der Patentschutz bietet, haben als Forschungsanreiz versagt. Die Verlängerung von Patentlaufzeiten für Antibiotika, wie sie der „Pharmadialog“ der Bundesregierung mit der Pharmaindustrie vorschlägt, ist daher wenig zielführend. Im Gegenteil: Patente führen zu hohen Preisen und schließen daher viele Menschen von der lebensrettenden Therapie aus.
Für Hedwig Diekwisch (BUKO Pharma-Kampagne) steht fest: „Für die Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika benötigen wir neue Konzepte. Mit einer politischen und finanziellen Förderung eines globalen Forschungsfonds könnte die Bundesregierung zum Vorreiter werden.“